Einblattholzschnitte. Buchdrucke. Flugblätter.
Wissenschaftliche Neubearbeitung auf Grundlage des Manuskripts von Hildegard Zimmermann, 1929–1932.

Teil I: Bestände aus Deutschland und der Schweiz
Der frühneuzeitliche Holzschnitt gehört zu den prägenden Bildmedien der europäischen Kunstgeschichte. In ihm verdichten sich zentrale Fragen künstlerischer Innovation, kulturellen Austauschs und visueller Kommunikation. Zu den wichtigen, bislang jedoch nicht angemessen erschlossenen Beständen dieser Gattung zählt die Holzschnittsammlung der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, die rund 1000 Drucke umfasst. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem 15. und 16. Jahrhundert, einer Phase. Hervorzuheben ist der geschlossene Bestand der markgräflichen Sammlung, der über 800 Drucke umfasst und Werke der bedeutendsten Künstler der deutschen Renaissance vereint, darunter auch zahlreiche Raritäten und forschungsgeschichtlich bedeutende Drucke. Mit Blättern von Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer, Hans Holbein dem Jüngeren, Hans Baldung Grien und Hans Burgkmair sind zentrale Positionen der europäischen Kunstgeschichte vertreten. Ein besonderer Schwerpunkt der Sammlung liegt auf dem nürnbergischen Holzschnitt. Sie besitzt damit hohe Relevanz für die Erforschung eines der wichtigsten Kunstzentren der Frühen Neuzeit.
Das Forschungsprojekt hat die erstmalige kunstwissenschaftliche Gesamtbearbeitung dieser Sammlung zum Ziel. Ein erstes Teilprojekt erfasst die Bestände aus Deutschland und der Schweiz und bildet den Auftakt zu einer zweibändigen Katalogpublikation. Ausgangspunkt ist die kritische Aufarbeitung des zwischen 1929 und 1932 entstandenen, unvollendeten Manuskripts der Kunsthistorikerin Hildegard Zimmermann, das als bedeutende, bislang ungenutzte Quelle der Forschungsgeschichte erstmals systematisch erschlossen und in einen aktuellen wissenschaftlichen Kontext überführt wird.
Durch die eingehende Untersuchung der Originale und die vergleichende Berücksichtigung anderer Sammlungsbestände entsteht ein wissenschaftlicher Katalog, der jeden einzelnen Druck nicht nur dokumentiert, sondern als Unikum in seiner künstlerischen Qualität, Funktion und historischen Bedeutung neu erschließt. Besonderes Augenmerk gilt dem Holzschnitt als vielseitigem Medium zwischen Werkstattpraxis, Bildgebrauch und Sammlungskontext.
Projektleitung: Prof. Dr. Manuel Teget-Welz
Projektbeginn: 2026
Förderung: Ernst von Siemens Kunststiftung

Bildunterschrift: Albrecht Dürer, Der Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen (aus der deutschen Ausgabe der „Apokalypse“), Holzschnitt, 1498, 39,4 x 28,4 cm, Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, H62/AH 322