Rise & shine

Rise & shine

Image ist Macht. Die Trennlinie zwischen Mann und König ist dünn und aus tiefrotem Samt, parfümierten Perücken und orientalischen Stoffen gemacht. In den Königsgemächern, den exklusivsten Zimmern ganz Englands, wurde Morgen für Morgen der Mann Charles in den König von England verwandelt. Doch wie genau sahen diese Gemächer und Vorgänge aus? Und welche Garderobe war damals gängig für König und Hof?

Morning Rituals and English Court Fashion

Image is power. The line separating the man and the king is thin and made of crimson velvet, perfumed wigs, and fabrics imported from the East. Each morning in the royal chambers, the most exclusive rooms in England, the man Charles transformed into King Charles II of England. What did these rooms look like, what were these processes, and what kind of fashion was commonly worn by the king and his court?

Privileg der Adeligen: Der Schlaf im Alkoven |
Privilege of the Nobility: The Sleeping Alcove

Entwurfszeichnung eines mit Palmen geschmückten Alkoven für Charles II im Greenwich Palace.
John Webb, Entwurf für den Alkoven im Schlafzimmer Charlesʼ II in Greenwich Palace, 1665 (Kat. Nr. 2.1)
John Webb, Design for the Alcove in Charlesʼ II Bedroom at Greenwich Palace, 1665 (Cat. no. 2.1)

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Alkoven“? Zur Zeit von Charles II war es für höhergestellte Adelige üblich, in prachtvoll geschmückten Alkoven zu schlafen. Dabei handelt es sich um einen fensterlosen Raum, der mit dem Vorraum durch eine große Wandöffnung verbunden ist und in dem ein Bett steht.

Ein Alkoven ist somit ein separierter Schlafraum, der vom eigentlichen Schlafzimmer abgesondert ist. Diese Raumanordnung hatte Charles II während seines Exils in Frankreich kennengelernt. Gleich nach seiner Rückkehr nach London ließ er bei einem Umbau des Whitehall Palace in den Jahren 1660/61 einen Alkoven in sein Schlafzimmer einbauen. Allerdings haben sich von diesem keine Ansichten erhalten.

Einen Eindruck vom Aussehen eines königlichen Alkovens vermittelt eine Zeichnung von John Webb aus dem Jahr 1665. Der Architekt gestaltete diesen Entwurf für den königlichen Palast in Greenwich. Der Eingang in den Alkoven sollte dramatisch inszeniert werden und ist hier von zwei geschnitzten Palmen flankiert. Dokumente verraten, dass der Alkoven in Whitehall Palace hingegen mit geschnitzten Engeln, Adlern und Vorhängen geschmückt war. Bei einem Brand im Jahr 1698 ging diese aufwendige Raumausstattung zugrunde, während der Entwurf für Greenwich aus Geldmangel nie realisiert wurde.

H. Bi.

What is meant by the term “alcove”? At the time of Charles II, it was customary for higher-ranking aristocrats to sleep in magnificently decorated alcoves. This was a windowless room connected to the anteroom by a large wall opening and containing a bed.

An alcove is thus a separate sleeping room from the bedroom proper. Charles II had become familiar with this room arrangement during his exile in France. Immediately after his return to London, he had an alcove built into his bedroom during a remodelling of Whitehall Palace in 1660/61.

Although, no views of this have survived, an impression of the appearance of a royal alcove can be gained from a drawing by John Webb from 1665. The architect designed this alcove for the royal palace in Greenwich. The entrance to the alcove was intended to be dramatically staged and is flanked by two carved palm trees. Documents reveal that the alcove at Whitehall Palace, on the other hand, was decorated with carved angels, eagles, and curtains. This elaborate room decoration was destroyed in a fire in 1698, while the design for Greenwich was never realized due to a lack of funds.

The King`s Bedchamber: Mehr als nur ein Schlafzimmer | The King`s Bedchamber: More than just a bedroom?

Aufnahme der Schlafzimmerausstattung von König James II.
Das Bett des Königs James II mit passendem Mobiliar, 1688 (Kat. Nr. 2.2)
King James II’s bed with matching furniture, 1688 (Cat. no. 2.2)

Die Fotografie zeigt die Schlafzimmerausstattung von König James II. So könnte das Prunkschlafzimmer von Charlesʼ Bruder in Whitehall Palace ausgesehen haben. Die Möbel befinden sich heute allerdings nicht mehr an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort in London, sondern sind in Knole House in der Grafschaft Kent ausgestellt. Sie zeichnen sich besonders durch die golddurchwirkten Stoffe, Stickereien und Tapisserien aus.

Charles II führte die sogenannten Bedchamber Ceremonies ein – eine Gepflogenheit, die (wie der Alkoven) vom französischen Hof Ludwigs XIV. stammte. Hierbei handelte es sich um ein morgendliches Zeremoniell im Schlafzimmer des Königs, das Lever („Aufstehen“),und ein abendliches, das Coucher („Zubettgehen“). Etwa um acht Uhr am Morgen wurde der Monarch von seinen Bediensteten geweckt und angekleidet, wobei er verschiedene Besucher empfing, um mit ihnen über politische sowie private Themen zu sprechen. Das Coucher fand um 23 Uhr statt. Hierbei wurde der König entkleidet.

Das Schlafzimmer stand jedoch nicht nur den Höflingen, sondern auch den königlichen Haustieren offen. Der Monarch besaß die nach ihm benannten King Charles Cocker Spaniel und davon nicht gerade wenige. Die Hunde waren aus dem Schlafzimmer des Königs nicht wegzudenken, denn sie durften dort nächtigen. Ein Mann namens James Jack soll die Aufgabe gehabt haben, darauf Acht zu geben, dass die Hunde nicht auf Charlesʼ Bett springen und seine Nachtruhe stören.

“On the King’s death in 1685, John Evelyn wrote in his diary how Charles had enjoyed ‘having a number of little spaniels follow him and lie in the bedchamber, where he often suffered the bitches to puppy and give suck, which rendered it very offensive, and indeed made the whole court nasty and stinky’”
(John Evelyn, Tagebuch, 6. Februar 1685)

The photograph is a photograph of the bedroom furnishings of King James II. This is what Charles’ brother’s state bedroom at Whitehall Palace might have looked like. Today, however, the furniture is no longer in its original location in London but is on display at Knole House in Kent. These pieces are particularly distinguished by the cloth of gold, embroidery and tapestries.

Charles II introduced the so-called ‘Bedchamber Ceremonies’ – a custom that originated (like the alcove) from the French court of Louis XIV. These were a morning ceremony in the king’s bedroom, the lever (rising), and an evening one, the coucher (going to bed). At about eight o’clock in the morning, the monarch was awakened and dressed by his servants, receiving various visitors to discuss political as well as private matters. The coucher took place at 11 pm. Here the king was undressed.

However, the bedroom was open not only to the courtiers, but also to the royal pets. The monarch owned many King Charles Cocker Spaniels (the breed is named after him). It was impossible to imagine the king’s bedroom without the dogs, because they were allowed to spend the night there. A man named James Jack is said to have had the task of making sure that the dogs did not jump on Charlesʼ bed and disturb his night’s rest.

“On the King`s death in 1685, John Evelyn wrote in his diary how Charles had enjoyed `having a number of little spaniels follow him and lie in the bedchamber, where he often suffered the bitches to puppy and give suck, which rendered it very offensive, and indeed made the whole court nasty and stinky`”
(John Evelyn, Diary, 6 February 1685)

H. Bi.

Absolutistische Ideologie im Schlafzimmer des Königs |
Absolutist Ideology in the King`s Bedroom

Ovales Deckenbild dominiert von einem Engel, der Göttin der Gerechtigkeit und einem Porträt Charles II.
John Michael Wright, Astraea kehrt zur Erde zurück, 1661. Deckenbild für das Paradeschlafzimmer Charlesʼ II (heute Nottingham City Museums & Galleries) (Kat. Nr. 2.3)
John Michael Wright, Astraea Returns to Earth, 1661, ceiling painting for Charlesʼ II Parade Bedroom (now Nottingham City Museums & Galleries), (Cat. no. 2.3)

In den Jahren 1660 und 1661 ließ Charles II seine Londoner Residenz Whitehall Palace umbauen. Ein wesentlicher Bestandteil der Erneuerung war der Bau eines sogenannten Alkovens, in dem der König schlafen konnte. Außerdem kaufte Charles II neues Mobiliar für sein Prunkschlafzimmer und beauftragte den Maler John Michael Wright mit einem programmatischen Deckenbild.

Die untere Bildhälfte des Ovals wird von einem Engel dominiert, welcher auf einem Spruchband die Botschaft „TERRAS ASTRAEA REVISIT“ (dt. „Astraea ist auf die Erde zurückgekommen“) verkündet. Astraea, ein Sinnbild der Gerechtigkeit, thront in der oberen Bildhälfte in einem wallenden, weißen Kleid. Ihr Kopf ist von einer Strahlenglorie hinterfangen. Sie verweist auf ein Porträt von Charles II, welches von drei kleinen Putten gehalten wird. Ein weiterer Putto präsentiert eine Waagschale als Zeichen der Gerechtigkeit.

Neben dem Porträt gibt es noch weitere Bildelemente, die auf den englischen Monarchen anspielen. Dazu gehören der Stern am oberen linken Bildrand und der Eichbaum im unteren Bilddrittel. Der Stern stand während Charlesʼ Geburt tagsüber am Himmel und wurde (ähnlich wie der Stern von Bethlehem) als Zeichen für den besonderen Rang des Neugeborenen gedeutet. Der Baum erinnert hingegen an die legendäre Rettung des Königs durch die königliche Eiche.

Der Kerngedanke des Gemäldes geht auf den antiken Mythos der vier Zeitalter zurück, der u. a. im ersten Buch von Ovids Metamorphosen überliefert ist. Hiernach gibt es vier Weltzeitalter, in denen der Zustand der Erde vom ersten, Goldenen Zeitalter bis zum vierten, Eisernen Zeitalter immer schlechter wird. Daraufhin lässt Astraea die Welt im Chaos zurück. Nach Vergils Eclogae leitet die Rückkehr der Astraea ein neues Goldenes Zeitalter ein, in welchem die Menschen in Frieden und Glück leben können. Das Gemälde von Wright ist somit so zu deuten, dass durch die Rückkehr von Charles II nach England ein neues Goldenes Zeitalter für das Land anbricht.

In 1660 and 1661, Charles II had his London residence, Whitehall Palace, remodelled. An essential part of the renovation was the construction of an alcove in which the king could sleep. Charles II also purchased new furniture for his state bedroom and commissioned the painter John Michael Wright to create a programmatic ceiling painting.

The lower half of the oval is dominated by an angel with a banner proclaiming the message ‘TERRAS ASTRAEA REVISIT’ (Astraea has returned to earth). Astraea, a symbol of justice, is enthroned in the upper half of the picture in a flowing white dress. Her head is backed by a halo of rays. She gestures to a portrait of Charles II, which is held by three small putti. Another putto presents a set of scales as a sign of justice.

In addition to the portrait, there are other pictorial elements that allude to the English monarch. These include the star at the upper left edge of the picture and the oak tree in the lower third of the picture. The star appeared in the sky during the daytime at Charlesʼ birth and was interpreted (like the Star of Bethlehem) as a sign of the special importance of the new born. The tree, on the other hand, recalls the legendary rescue of the king by the royal oak.

The core idea of the painting goes back to the ancient myth of the four ages, which is found, among other places, in the first book of Ovid’s Metamorphoses. According to this legend, there are four ages of the world, in which the state of the earth degrades from the first, Golden Age to the fourth, Iron Age. Thereupon Astraea departs from the world, leaving it in chaos. According to Virgil’s Eclogues, the return of Astraea ushers in a new Golden Age in which humans can live in peace and happiness. Wright’s painting can thus be interpreted to mean that the return of Charles II to England heralds a new Golden Age for the country.

H. Bi.

„Kleider machen Leute!“ | „The clothes makes the man!“

Karikatur Louis XIV, in der durch drei Figuren gezeigt wird, dass sich ein König durch seine Kleider auszeichnet.
William M. Thackeray, Karikatur nach Hyacinthe Rigauds Porträt von Ludwig XIV., 1840 (Kat. Nr. 2.4)
William M. Thackeray, Caricature after Hyacinthe Rigaud’s Portrait of Louis XIV, 1840 (Cat. no. 2.4)

Die Karikatur macht sich mit scharfem Witz über den französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. lustig. Der Zeichner nimmt Bezug auf das berühmte Porträt, das Hyacinthe Rigaud im Jahr 1701 von Ludwig XIV. malte. Dieses wird auf der rechten Seite des Blattes zitiert. Thackeray zerlegt den Monarchen aber gewissermaßen in seine Einzelteile. So sieht man in der Mitte einen glatzköpfigen Mann und auf der linken Seite eine Gliederpuppe, bekleidet mit den Herrschaftsinsignien. Führt man beide Teile zusammen, findet man sich auf der rechten Bildseite wieder und erkennt dort den vollständigen Monarchen, der nur durch seine pompöse Kleidung und die hoch aufgetürmte Perücke über die gewöhnlichen Sterblichen hinausragt.

In der Frühen Neuzeit ging man davon aus, dass ein König gewissermaßen zwei Körper besitzt, einen natürlichen (sterblichen) und einen politischen (unsterblichen). Der glatzköpfige Mensch in der Mitte des Bildes stellt den Monarchen als body natural dar. Durch die Insignien des Amtes auf der linken Seite, welche dem König Würde verleihen, wird Ludwig XIV. rechts als body politic gezeigt. Durch die Karikatur sorgt Thackeray jedoch für eine Entzauberung des Monarchen.

Die allmorgendliche Zeremonie des Lever, die sowohl von Ludwig XIV. als auch von Charles II gepflegt wurde, ließ die Höflinge am Spektakel der königlichen Bekleidung teilhaben. Vor ihren Augen verwandelte sich ein gewöhnlicher Mensch durch prunkvolle Gewänder und Herrschaftsinsignien in einen absolutistischen Herrscher – ganz nach dem Motto „Kleider machen Leute“.

This caricature makes fun of the French ‘Sun King’ Louis XIV. The cartoonist refers to the famous portrait of Louis XIV painted by Hyacinthe Rigaud in 1701. This figure is quoted on the right side of the sheet. However, Thackeray dissects the monarch into his individual parts, so to speak. Thus, the image depicts a bald man in the centre and a manikin dressed in the ruler’s insignia the left side. In bringing both parts together on the right side of the picture, the viewer recognizes the complete monarch, who stands out above the ordinary mortals only by means of his pompous clothes and towering wig.

In the early modern period, a king was thought to possess two bodies, one natural (mortal) and one political (immortal). The bald man in the centre of the painting represents the monarch as the body natural. Through the insignia of office on the left, which give the king dignity, Louis XIV is shown as body politic on the right. Through this caricature, however, Thackeray deconstructs the illusion of the monarch.

The morning ceremony of the lever, maintained by both Louis XIV and Charles II, allowed courtiers to participate in the spectacle of royal dress. Before their eyes, an ordinary person was transformed into an absolutist ruler through ostentatious robes and insignia of rulership – in keeping with the old saying ‘the clothes make the man’.

H. Bi.

Des Königs edle Garderobe | The King`s Noble Wardrobe

Charles II in den den traditionellen Gewändern des Hosenbandordens.
Simon Verelst, Charles II, ca. 1677–1678 (Kat. Nr. 2.5)

Auf diesem prächtigen Gemälde des niederländischen Künstlers Simon Verelst ist König Charles II in den Gewändern des Hosenbandordens zu sehen. Er trägt die Ordenskette, an der der “Great George” hängt – eine Darstellung des Ordensheiligen Georg, der über einen Drachen siegt. Unter dem linken Knie des Königs ist das blaue Hosenband zu sehen, das auf den Namen des Ordens anspielt.

Da der Hosenbandorden immer unter dem Vorsitz des jeweiligen Monarchen stand, konnte er in der Zeit des Interregnum (nach der Enthauptung von Charles I) nicht in England aktiv sein. Charles II ernannte aber in seinem Exil weiterhin Ordensritter und belebte gleich nach seiner Rückkehr nach England das Ordensleben neu. Er knüpfte somit an die lange und vornehme Tradition seiner Vorgänger an. Daher war es ihm wichtig, sich öffentlich und auch auf Porträts im Ordenshabit zu zeigen. Obwohl Charles die Gewänder des Ordens nur zu spezifischen Anlässen trug, zeigte er seine Loyalität durchaus auch in seiner Alltagsgarderobe: So konnte eine Stickerei des Ordensabzeichens auf den Ärmeln vieler seiner Mäntel gefunden werden.

In this painting by Simon Verelst, King Charles II presents himself wearing the traditional garb of the Order of the Garter. Around his neck the collar of the order can be seen, showcasing the ‘Great George’, a depiction of the patron saint of the order slaying a dragon. The king is wearing a blue garter below his left knee from which the order derives its name and which serves as a way of identifying other members. While the king was quite famous for his modern sense of style, he had a particular preference for portraying himself wearing the garb of the Order. There are several possible reasons for this.

Firstly, after his coronation Charles restored the Order. The Order of the Garter was and remains to this day one of the highest-ranking orders in England. Charles’ decision for its reinstatement was primarily made to emphasize the traditional aspects of his new reign. Second, while in exile in France the young Charles did not have access to the royal insignia; but what he did have access to were the regalia of the Order of the Garter, which might have served as symbols of hope and solace for him.

In April of 1661 Charles mandated the traditional trousers of the uniform be once again made of silver thread, which had previously been used for parts of the original uniform. Not only did his decision emphasize his respect for tradition, it also established a parallel to the similar uniforms of the French Order of the Holy Spirit. Even though Charles wore this traditional garb only for specific occasions, he still displayed his loyalty in other, more subtle ways; many of his coats’ sleeves were decorated with an embroidered badge of the order. The traditional uniform consists of the collar of the order, decorated in gold as well as red and blue embroidery; the eponymous garter, worn below the left knee by men and on the left arm by women; the so-called George, a brooch depicting St. George during his fight with a dragon; a coat made of blue silk bearing the St. George’s Cross on the left sleeve; and a black silken hat decorated with a large, white ostrich feather as well as several black egret feathers.

– M. We.

Ehre, Pflicht, Mode: Der Hosenbandorden |
Honour, Duty, Fashion: The Order of the Garter

Die Illustration von Peter Lely zeigt zwei Träger des Hosenbandordens.
Peter Lely, Zwei Herolde des Hosenbandordens, Mitte der 1660er Jahre (Kat. Nr. 2.6)
Peter Lely, Two Heralds, mid 1660s (Cat. no. 2.6)

Der Hosenbandorden ist der ranghöchste englische Ritterorden und wurde von König Edward III im Jahr 1348 gegründet. Der Orden besteht aus 24 Mitgliedern inklusive des Staatsoberhauptes. Ursprünglich war es nur Männern von adeligem Rang gestattet, dem Orden beizutreten, aber heute ist eine Erhebung in den Orden nicht mehr durch Geschlecht und Herkunft eingeschränkt.

Die Zeichnung von Peter Lely zeigt zwei Herolde des Ordens, vermutlich Henry St. George, Herold von Richmond, und Thomas Lee, Herold von Chester. Herolde fungierten im Mittelalter als Organisatoren von Turnieren, Diplomaten und Überbringer von Kriegserklärungen, hatten aber in der Frühen Neuzeit vorwiegend repräsentative Aufgaben.

Peter Lely, den Charles II bereits 1660 zu seinem „principal painter“ ernannte, dokumentierte in einer ganzen Reihe von Zeichnungen die Kleidung verschiedener Würdenträger des Ordens. Die Herolde trugen schwarze Kniebundhosen und Wappenröcke in Rot und Blau. Letztere waren mit goldenen Stickereien von Löwen, Harfen und Einhörnern geschmückt, den heraldischen Zeichen der Königreiche England, Irland und Schottland. Die Lilien verwiesen darauf, dass England damals noch einen Anspruch auf das Königreich Frankreich erhob.

This drawing by court painter Peter Lely shows two fully uniformed knights of the Order of the Garter who are presumed to be Henry St. George, Herald of Richmond, and Thomas Lee, Herald of Chester. This work is part of a series by Lely of the contemporary members of the Order. Some illustrations have unfortunately been lost over time.

The Order of the Garter is the highest-ranking order in England and was originally founded by King Edward III in 1348. The tales of King Arthur and his Round Table served as inspiration. The Order consists of twenty-four members including the reigning king who serves as both sovereign and highest-ranking member. Originally only men of noble blood were able to join; today anyone regardless of gender or social background may become a member. An invitation to join the order is made in recognition of extraordinary service to the nation. Announcements of potential candidates are made on 23 April, which is also known as St. George’s Day. St George is the patron saint of the Order as well as of England itself. The motto of the order is ‘Honi soit qui mal y pense’, which is French for ‘Shame on him who thinks this evil’. The origins of this motto are unknown. Each June on the so-called ‘Garter Day’, England observes one of its oldest ceremonial traditions. On this occasion all members of the order gather in St. George’s Hall at Windsor Castle for a procession, the knighting of new members, a church service, and a banquet.

Lely’s drawing shows two heralds of the Order. Heralds usually function as organisers of tournaments, diplomats, and ambassadors; their role was to be the public face of the order. They wore black breeches and red and blue tabards. The latter were commonly decorated with lions, harps and unicorns embroidered in gold, which are the heraldic symbols of the kingdoms of England, Ireland, and Scotland respectively. Furthermore, the embroidered lilies refer to the English claim to the French throne.

– M. We.

Ein Blick in den Kleiderschrank der englischen Lords |
A Glimpse into the Wardrobe of the English Lord

Hochzeitsanzug aus dem Jahr 1662 als typisches Beispiel für die Hofmode zur Zeit von Charles II.
Wams und Petticoat-Reithosen, 1662 (Kat. Nr. 2.7)
Doublet and petticoat breeches, 1662 (Cat. no. 2.7)

Dieses Outfit ist ein gutes Beispiel dafür, wie die feine Garderobe eines Adligen am Hofe Charlesʼ II ausgesehen haben mag. Tatsächlich handelt es sich hierbei um den Hochzeitsanzug von Edmund Verney, der im Juli 1662 Mary Abell in Westminster Abbey heiratete. Der Bräutigam gehörte der Adelsfamilie Verney an, deren prominentestes Mitglied Sir Edmund Verney von König Charles I zum „Knight Marshal of England“ auf Lebenszeit erhoben worden war.

Die extravagante Hofmode wurde in den 1660er Jahren stark von Frankreich und den Niederlanden beeinflusst, zu erkennen in der Mischung aus weitem Rock und Kniehose. Weiterhin zeichnet sich das Kleidungsstück durch sechs verschiedene Arten von Bändern und Borten in den Farben lila, lachsfarben, silbern und elfenbeinweiß aus. Die Bänder hatten insgesamt eine Länge von 144 Metern.

Der unter Charles II beliebte Kleidungsstil ist in der Männermode vor allem durch lange, vertikale Linien, niedrige Taille und Betonung der Schultern gekennzeichnet. Weitere sehr populäre Elemente, die aus der französischen Mode übernommen wurden, waren Dekorationen in Form von Schleifen, vor allem an der Hüfte, sowie doppelte Armstulpen. Ersteres kann exemplarisch an diesem Outfit beobachtet werden.

“A courtier put both his legs through one of his Knees of his breeches, and went so all day.”
(Samuel Pepys, Tagebuch, 6. April 1661)

The doublet seen here is exemplary for showcasing the kind of fashion commonly worn at the court of Charles II. This article of clothing is the wedding suit of Edmund Verney, who married Mary Abell in Westminster Abbey in July 1662. Edmund was part of the noble Verney family. Their most prominent member, Sir Edmund Verney, was a knight marshal and a personal favourite of king Charles I.

This doublet is a typical example of the extravagance found in the court fashion of the 1660s. Popular trends of the time were influenced heavily by France and the Netherlands, which becomes clear when looking at the doublet’s combination of a wide petticoat and breeches. Additionally, this article of clothing features six different kinds of ribbons and braids in violet, pink, silver and white. Altogether, this amounted to 144 meters of trimming.

Popular fashion trends of the preceding era, featuring a characteristically wide waist, slowly gave way to the internationally inspired style favoured by Charles II with its long, vertical lines, low waistline, and wide shoulders. Other popular details included decorative ribbons, especially around the waist, as well as slashed sleeves, both of which were adapted from French court fashion.

By 1666, Charles II expected every courtier to dress in a long coat, petticoat, cravat, wig, and riding breeches, based on the style of the French king, Louis XIV. In 1680 this attire was turned into the standard for formal clothing and went on to dominate men’s fashion for the following century.

“A courtier put both his legs through one of his Knees of his breeches, and went so all day.”
(Samuel Pepys, Diary, 6 April 1661)

– M. We.

Und was trug damals die Dame von Welt? | What Did a Woman of Fashion Wear?

Das Silver Tissue Dress mit feinem Seidenstoff und Silberfasern.
Silberdurchwirktes Kleid, ca. 1660 (Kat. Nr. 2.8)
Silver Tissue Dress, ca. 1660 (Cat. no. 2.8)

Dieses Damengewand ist wohl eines der am besten erhaltenen Kleidungsstücke aus der Zeit Charlesʼ II. Wegen des feinen Seidenstoffes mit Silberfasern ist es auch als Silver Tissue Dress bekannt. Ursprünglich soll das Kleid Lady Theophilia Harris gehört haben, der Tochter eines erfolgreichen Rechtsanwalts, die mit Sir Arthur Harris, 1st Baronet of Hayne, verheiratet war.

Das Kleid zeichnet sich aus durch das enganliegende Mieder, den niedrigen Ausschnitt, ellbogenlange, weite Ärmel und einen langen Rock. Damit ist es ein Paradebeispiel für die Damenmode unter Charles II. Vor allem die Form des niedrigen Ausschnitts war stark von französischer Mode beeinflusst.

Extrem beliebt war damals die Verwendung von metallischen, insbesondere silbernen Fasern zur Dekoration von Ärmeln, Ausschnitt, Mieder und Rock. Solche Garne kamen auch gerne an Accessoires wie Schuhen oder Handschuhen zum Einsatz. Da der Modetrend zu opulenter Pracht ging, wurden schimmernde und schwere Stoffe wie Satin und Brokat bevorzugt.

The so-called silver tissue dress is one of the most famous and well-preserved articles of clothing from Charles II’s age. The dress obtained its name because of its fine silk interwoven with silver threads. The original owner was likely Lady Theophilia Harris, the wife of Sir Arthur Harris of Hayne, Devon, and daughter of Sir John Turner, a successful lawyer.

Typical elements of women’s fashion during Charles’ reign included tight, long bodices; low, sometimes off-the-shoulder necklines; wide, elbow-length sleeves; and long, wide skirts. As with men’s fashion, these were influenced by popular French trends. This is especially true for the low necklines of the period. A popular feature is the usage of metallic threads which were used to decorate sleeves, necklines, bodices, and skirts. In addition to dresses, tailors would also incorporate these valuable threads into accessories like shoes or gloves. Additional trends not seen on this dress are long rows of ribbons down the middle of the bodice, as well as shimmering satin dresses and heavy brocade dresses.

Clothing like the silver tissue dress serves as an early model for the deshabillé-robe, also known as mantua or manteau, which originated around 1680. This robe would go on to dominate women’s fashion in England, France, Germany, and many other European countries for the next two centuries.

– M. We.

Michelle Werthner spricht über die barocke Illusionsfabrik.