Online-Ausstellung

Kunst und Politik: Bildende Künste als Modus des Nachdenkens über Demokratie

Was Demokratie ist, bewirkt und leistet, zeigt sich oft gerade in den Konfliktfällen, in denen sie missachtet und bedroht wird.

Aus Anlass des ersten deutschlandweiten Tags der Demokratiegeschichte präsentiert das Institut für Kunstgeschichte ab dem 18.3.2026 eine Online-Ausstellung, die von Studierenden des Instituts unter Leitung von Prof. Dr. Christina Strunck und Dr. Alexander Becker erarbeitet wurde. Sieben Kurzfilme (Reels) entstanden im Rahmen des Seminars „Kunst und Politik“. Der achte und letzte Beitrag wurde von Universitätsarchivar Dr. Clemens Wachter in Kooperation mit der Seminarteilnehmerin Marie Seefarth gestaltet.

Der Thematik des Seminars entsprechend, behandeln die Reels aus verschiedenen Perspektiven die Frage, inwiefern Kunst der freien politischen Meinungsäußerung dient bzw. wie sie für politische Zwecke instrumentalisiert wurde und wird. Die von den Studierenden frei gewählten Fallbeispiele widmen sich globalen Krisenherden und umkämpften Diskursfeldern der Gegenwart und näheren Vergangenheit. Indem sie autokratische Regimes kritisch analysieren, fördern die Kurzfilme das Nachdenken über Demokratie.

Daniel Altbregin

Gibt es noch Propaganda in der Kunst?

Die Bemühungen von Regierungen, die politischen oder religiösen Überzeugungen der Gesellschaft zu beeinflussen, sind in den letzten Jahren besonders sichtbar geworden. Es läuft einem vor allem dann kalt den Rücken herunter, wenn sich diese Tendenzen in ursprünglich demokratischen Staaten zeigen.

Die Mittel der Propaganda sind vielfältig. Früher war die Kunst eines der wichtigsten Formate, etwa zur Inszenierung eines Herrscherbildes. Während aber in westlichen Gesellschaften die Kunst größtenteils einen Weg der Unabhängigkeit und des freien Ausdrucks eingeschlagen hat, dient sie in Staaten wie der Volksrepublik China weiterhin als Instrument der politischen Meinungsmache.

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Editha Bandmann

Wandmalereien als politisches Sprachrohr?

Demokratische Republik oder konstitutionelle Monarchie? Eine Frage, die die Bevölkerung Nordirlands schon seit Generationen spaltet. Der Konflikt zwischen Unionisten und Republikanern findet aber nicht nur auf den Straßen der Städte, sondern auch an ihren Wänden statt. Wandmalereien dienen als Sprachrohr beider Fraktionen. Aber was genau steckt hinter diesen sogenannten Murals?

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Ayça Kapici

Wem gehört eigentlich mein Körper?

Der weibliche Körper zwischen Objektifizierung und Selbstbestimmung: eine Annäherung an die Performancekunst der Künstlerin Carolee Schneemann.

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Maximilian Opel

„Folterrepublik Argentinien“ – Wenn Kunst das Wegsehen entlarvt

Kunst und Sport sind doch unpolitisch – oder nicht? Aber was, wenn Sportgroßveranstaltungen für Sportswashing genutzt werden? Wie kann Kunst sich dann am politischen Diskurs beteiligen?

1978 fand die Fußballweltmeisterschaft mitten in der argentinischen Militärdiktatur statt, während nur wenige hundert Meter vom Stadion entfernt Menschen gefoltert und ermordet wurden. Der Künstler Klaus Staeck kritisierte dieses Wegsehen in seinem Plakat „Folterrepublik Argentinien“.

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Evelyn Redl

Mauern – Menschen – Silhouetten

Wie soll in künstlerischer Form an Verbundenheit erinnert werden, ohne die eigene Individualität zu missachten? Nachdem die drei Länder Estland, Lettland und Litauen durch den sogenannten „Baltischen Weg“ für ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion protestiert hatten, entstand kein großes, gemeinsames Denkmal als Erinnerung an die Tausende Kilometer lange Menschenkette. Stattdessen finden sich in den Ländern viele vereinzelte, kleinere Denkmäler, um an das Ereignis zu erinnern. Ein Balanceakt zwischen Kollektivität, Zusammenhalt und Souveränität, der jedoch mit Leichtigkeit gemeistert wird.

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Lilly Richter

Mutter Heimat im Krieg

Die Mutter-Heimat-Statue in Wolgograd posiert als Verkörperung des Antifaschismus. Neuerdings dient sie dem autoritären Russland zur nationalistischen Legitimation des Angriffskrieges auf die Ukraine. Über Kiew wacht eine gleichnamige ukrainische Mutter-Heimat-Statue, die von einem sowjetischen Denkmal zu einem starken Symbol für die Freiheit und den Widerstand der Ukraine geworden ist. Stolz trägt sie nun das nationale Zeichen des Dreizacks auf ihrem Schild.

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Marie Seefarth

Wer hat Angst vor Pussy Riot?

Aktivistische Kunst legt offen, wie autoritäre Systeme Meinungsfreiheit unterdrücken. Pussy Riot zeigt, was passiert, wenn Kritik kriminalisiert und Protest mit Haft beantwortet wird. Wo unabhängige Medien verboten werden, wird Kunst zum letzten öffentlichen Sprachraum. Museen können diese Stimmen sichtbar machen und damit demokratische Werte verteidigen.

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Clemens Wachter und Marie Seefarth

Wie der Gefallenen gedenken?

Denkmäler prägen bis heute unsere öffentlichen Räume und erzählen von den Befindlichkeiten ihrer Entstehungszeit. Doch Erinnerung ist nicht statisch. Jede Generation stellt neue Fragen an diese Orte.
Das Gefallenendenkmal im Erlanger Schlossgarten lädt dazu ein, über Formen des Gedenkens und den Umgang mit Geschichte im öffentlichen Raum nachzudenken. Orte wie dieser können dazu beitragen, historische Erfahrungen sichtbar zu machen und uns den Wert von Frieden und demokratischem Zusammenleben auf ihre eigene Weise näherzubringen.

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