2017 – Ingolstadt, Neuburg an der Donau, München und Prag

Am Donnerstag, den 03.08. startete unsere in zwei Abschnitte aufgeteilte Exkursion mit Frau Prof. Dr. Christina Strunck und ihrer Assistentin Frau Carolin Scheidel zum Thema „Konfessionalisierung in Bayern und Böhmen“. Zunächst verbrachten wir zwei Tage in Ingolstadt, Neuburg an der Donau und München. Nach einem freien Wochenende in der Heimat reisten wir schließlich für vier Tage in das Zentrum des ehemaligen Königreichs Böhmen, das wunderbare Prag.

Am Donnerstag (03.08.) sammelte uns unser Busfahrer Norbert um 8 Uhr von Erlangen und kurz darauf von Nürnberg ein. Unsere erste Haltestelle war Ingolstadt, wo wir in Referaten mehr über das Jesuitenkolleg, das Liebfrauenmünster und die Kirche St. Maria de Victoria erfuhren. Gemeinsam mit Fr. Strunck enträtselten wir dort die Bedeutung des Deckenfreskos der Brüder Asam. Im Anschluss an eine kurze Mittagspause fuhren wir weiter nach Neuburg an der Donau, um dort ein weiteres Jesuitenkolleg und die Schlosskapelle kennenzulernen. Nach einem Besuch im Schlossmuseum besichtigten wir anschließend die Hofkirche, die zunächst als reformatorischer Bau entstand, jedoch durch die politisch motivierte Konversion des Pfalzgrafen als katholische Jesuitenkirche vollendet wurde. Ein Mitarbeiter ermöglichte uns, nachdem er uns nach einem einzigen Blick wohl zweifelsfrei als Kunsthistoriker identifiziert hatte, einen exklusiven Blick auf das Altarbild, das das Große Jüngste Gericht von Peter Paul Rubens zeitweise ersetzte und sich aktuell in einem normalerweise nicht zugänglichen Nebenraum befindet. Anschließend fuhren wir nach München, bezogen dort unser Hotel und ließen den ereignisreichen Tag beim Abendessen ausklingen.

Am Freitag (04.08.) besuchten wir zwei zentrale Bauwerke im Zusammenhang mit der bayerischen Konfessionalisierung. Zunächst besichtigten wir die Jesuitenkirche St. Michael, die von Herzog Wilhelm V. als erster monumentaler Neubau einer Kirche in Deutschland seit Beginn der Reformation in Auftrag gegeben wurde. Ihre Architektur und Ausstattung spiegeln den gegenreformatorischen Willen des Herzogs in deutlicher, fast kämpferisch anmutender Weise wider, was uns in mehreren Referaten nähergebracht wurde. Nach einer Mittagspause sammelten wir uns an der Frauenkirche, deren Ausstattung ebenfalls durch Vorträge der Studierenden vorgestellt wurde. Bis in das 19. Jahrhundert war dort ein Triumphbogen zu sehen, der dem Schutzpatron der Stadt München, dem heiligen Benno, gewidmet war. Über seine schmückende Funktion hinaus besaß der Bennobogen auch eine religionspolitische Bedeutungsebene: Seine Errichtung kann als konfessionelles „Statement“ Herzog Maximilians I., eines überzeugten Anhängers des Katholizismus, interpretiert werden. In diesem Zusammenhang betrachteten wir auch das Gemälde für den ehemaligen Hochaltar von Peter Candid, das einst mit dem Triumphbogen eine programmatische Einheit gebildet hatte. Mit dem Kenotaph für Ludwig den Bayern begegnete uns anschließend ein repräsentatives Ruhmesdenkmal des gesamten Hauses Wittelsbach. Kurios erschien uns, dass der exkommunizierte Ludwig IV. auf Wunsch seiner Nachfolger dennoch seine letzte Ruhestätte in einer katholischen Kirche fand. Unseren Tag in München schlossen wir mit einem Besuch der Kirche St. Johann Nepomuk ab. Sie wurde durch Egid Quirin Asam auf eigene Kosten errichtet und prunkvoll ausgestattet. Ihr eindrucksvolles Deckenfresko, welches sich der Legende des heiligen Johann von Nepomuk widmet, wurde in einem Referat vorgestellt und in gemeinsamer Erarbeitung in den thematischen Kontext der Exkursion eingebettet.

Nach dem Wochenende zuhause fuhren wir frühmorgens mit dem Bus nach Prag. Dort bezogen wir zunächst unsere Zimmer und machten uns danach auf den Weg zum Weißen Berg, wo im Jahre 1620 die bedeutende Schlacht zwischen protestantischen Aufständischen und der Allianz katholischer Herrscher ausgetragen wurde. Dort betraten wir die barocke Wallfahrtsanlage St. Maria de Victoria, die trotz fehlender Ausstattungsstücke aufgrund aktueller Renovierungsarbeiten für uns ein imposantes Zeugnis des katholischen Sieges und der anschließenden massiven Rekatholisierung Böhmens bildete. Nach einer kurzen Fahrt und einem Besuch der Karlsbrücke gelangten wir zur Jesuitenkirche St. Salvator, wo uns zwei Kommilitoninnen Genaueres zur Kirche selbst und zum dort angeschlossenen Kolleg erläuterten. Der weitere Abend stand uns zur freien Verfügung, was viele nutzten, um eine böhmische Spezialität, ein süßes Gebäck namens „Trdlo“, zu probieren.

Den nächsten Tag (08.08.) leiteten wir mit einem Besuch des Veitsdoms ein. Dank Frau Scheidel war es uns möglich, den Dom noch vor seiner eigentlichen Öffnung zu besichtigen sowie die normalerweise nicht zugängliche Wenzelskapelle zu betreten. Die dafür zuständige Referentin nutzte diese günstige Gelegenheit und informierte uns ausführlich über deren Ausstattung. Weitere Vorträge erläuterten uns die Architektur und Baugeschichte sowie die Innenaus­stattung und die Goldene Pforte an der Fassade des Doms. Nach einem Besuch des Loreto-Heiligtums und der Nationalgalerie trafen wir uns mit Dr. Štěpán Vácha, der uns bereits mit einem Beitrag über die religiöse Malerei in Prag zur Zeit Kaiser Rudolfs II. während der vorausgegangenen Vortragsreihe in Erlangen auf das Thema eingestimmt hatte. Dr. Vácha führte uns zunächst durch die Kirche St. Thomas auf der Kleinseite und anschließend durch die Teynkirche, wo wir von seinem Fachwissen profitierten. Bei einer gemeinsamen Erfrischung in einem traditionellen böhmischen Lokal ließen wir den Tag ausklingen.

Nach zahlreichen Bauwerken aus dem sakralen Kontext konzentrierten wir uns am Mittwoch (09.08.) schließlich auf zwei Bauten, die in den Bereich des Profanen gezählt werden. Zunächst besichtigten wir das durch einen ungewöhnlichen Grundriss und eine ebenso rätselhafte Stuckierung ausgezeichnete Schloss Stern. Gemeinsam versuchten wir dort dessen Ausstattungsprogramm auf den Grund zu gehen. Anschließend fuhren wir mit der Straßenbahn zum Schloss Troja, wo vor allem auf die Gestaltung der repräsentativen Freitreppe und die Ausmalung des prunkvollen Kaisersaals eingegangen wurde. Das Programm des restlichen Tages konnten wir frei wählen.

Am letzten Tag der Exkursion (10.08.) widmeten wir uns schließlich der Kleinseite Prags. Zunächst wurde uns von einem Kommilitonen die Kirche St. Maria de Victoria und deren in konfessioneller Hinsicht wechselhafte Geschichte vorgestellt. Danach besuchten wir die Kirche St. Nikolaus, wo wir uns eingehender mit deren Fassade und Architektur auseinandersetzten. Im Inneren besprachen wir anschließend das Deckenfresko und die Barbara-Kapelle. Gemeinsam erschlossen wir uns das spannende Bildprogramm im Chorraum, welches die drei Leitelemente des Jesuitenordens (Trias von Wort, Sakrament und Werk) verkörpert. Das gemeinsame Mittagessen bildete den gelungenen Abschluss einer interessanten und lehrreichen Exkursion.

Im Namen aller Exkursionsteilnehmer bedanken wir uns herzlich bei Frau Strunck und unserer zuverlässigen „Navigatorin“ Frau Scheidel für diese schöne Zeit!

Teilnehmer: Jessica Nickel, Kathrin Nowitzki, Linda Reichelsdorfer, Madlen Gulitsch, Felix Schmieder, Cornelia Baier, Larissa Rau, Jennifer Höhne, Lana Korotschenko, Anne Marquardt, Mandy Seyfarth, Aurelia Rager, Laura Johannes, Teresa Schwope.

Text: Madlen Gulitsch, Jennifer Höhne