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2015 – Basel

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Die zweitägige Exkursion am 18. und 19. Juni 2015 zur 46. Art Basel, einer der wichtigsten Kunstmessen für zeitgenössische Kunst, bildete den Abschluss des Seminars „Der zeitgenössische Kunstmarkt“ unter Leitung von Frau PD Dr. Wattolik. Analysiert wurden dort die Programme einer Auswahl an Galerien, die zuvor gemeinsam im Seminar vorbereitet worden waren.

1.Tag | Donnerstag, 18. Juni
Nach der fünfstündigen Zugfahrt in die Schweiz und einem kurzen Aufenthalt in der Unterkunft fuhren wir gleich zur Messe. Zunächst erhielten wir die Aufgabe, uns eigenständig auf dem Areal umzusehen und Eindrücke zu sammeln. Dabei sollte jede der Seminarteilnehmerinnen gezielt zwei der im Seminar vorbereiteten Galerien besuchen und sich über dort ausgestellte Werke und deren Preise informieren. Danach traf sich die Gruppe wieder, um sich gemeinsam an den einzelnen Ständen auszutauschen. Als erstes gingen wir zur Marian Goodman Gallery, die schon seit den 1970er Jahren hauptsächlich amerikanische sowie europäische Künstler vertritt. Ihre erste Ausstellung war dem belgischen Künstler Marcel Broodthaers gewidmet, von dem auch auf der Art Basel ein Werk zum Verkauf stand. Am Messestand nebenan befand sich die Galerie Sprüth Magers, welche 1998 in Köln gegründet wurde. Künstlerische Positionen wie Ed Ruscha, Jenny Holzer und Rosemarie Trockel werden durch die Galerie vertreten; von Trockel wurden mehrere Exponate auf der Art Basel zum Verkauf angeboten. Zu den „Top-Galerien“ – weltweit 14 Standorte, darunter fünf in New York – zählt die Gagosian Gallery. Am ihrem Stand sahen wir uns vor allem Werke von Jeff Koons an. Die übermannshohe und von weit her zu sehende „Cat on a Clothesline (Aqua)“ („Die Katze an der Wäscheleine“), entstanden 1994-2001, bot den Messebesuchern einen besonderen Blickfang und lieferte uns Stoff zur Diskussion. Interessant war im Vergleich die betont zurückhaltende Präsentation der Galerie David Zwirner. Mit einer 2015 entstandenen vergoldeten Plastik aus Fiberglas des Künstlers Anish Kapoor beschäftigten wir uns schließlich am Stand der Lisson Gallery. Diese wurde 1967 von Nicholas Longsdail und Fiona Hildyard in London gegründet und wird heute vom Sohn des Inhabers, Alex Longsdail, geführt. Anschließend besuchten wir die Paula Cooper Gallery, die 1968 in Soho, New York, mit einer Ausstellung zur Unterstützung des Student Mobilization Comittee zur Beendigung des Vietnamkriegs eröffnete. Gemeinsam diskutierten wir dort eine Zementplastik von Justin Matherly. Schließlich stand uns ab 18.00 Uhr die Zeit frei zur Verfügung und wir hatten einige Möglichkeiten zur Auswahl: Das Schaulager, die Kunsthalle Basel, das Museum Tinguely oder die LISTE. Der Großteil der Gruppe entschloss sich dazu, die LISTE – eine sich unkonventionell und locker gebende Nebenmesse, die 1996 gegründet wurde und parallel zur Art Basel neue Galerien und junge Kunst zeigt – zu besuchen.

2. Tag | Freitag, 19. Juni
Am nächsten Tag fuhren wir, vor der Öffnung der Art Basel, zur Fondation Beyeler, die neben einer publikumswirksamen Gauguin-Ausstellung gerade »Marlene Dumas – The Image as Burden« mit Werken seit den 1970er Jahren zeigte. Marlene Dumas ist eine südafrikanisch-niederländische Künstlerin, die für ihre Porträts, Gruppenbilder sowie Aktdarstellungen häufig Vorlagen aus ihrem privaten Fotoarchiv verwendet und diese malerisch so interpretiert, dass Farbe und Form an Eigenständigkeit gewinnen. Wir analysierten gemeinsam exemplarische Gemälde hinsichtlich ihrer künstlerischen Strategie und gingen auf das kuratorische Konzept der Ausstellung ein. Im Anschluss liefen wir wieder über die Art Basel, wo wir zuerst die von Gianni Jetzer kuratierte Art Unlimited ansteuerten, die Projekte zeigt, welche den herkömmlichen Messe- oder Ausstellungsrahmen sprengen. Danach widmeten wir uns erneut einzelnen Galerien. Auf dem Stand der 2002 in Berlin gegründeten Galerie König sahen wir unter anderem Arbeiten von Jeppe Hein, Paul Czerlitzki, Tatiana Trouvé und Jeremy Shaw. Gegenüber konnte man bei der Galerie Chantal Crousel Werke von internationalen Künstlern, wie beispielsweise Melik Ohanian, José María Sicilia und Wolfgang Tillmans betrachten und diskutieren. Auf Fotografie legt die seit 1996 in Köln bestehende Galerie Thomas Zander ihren Schwerpunkt. Sie handelt mit Arbeiten von William Eggleston, Lee Friedlander, Diane Arbus oder Walker Evans. Thomas Zander war auf der Art Basel sowohl mit einem Messestand vertreten, als auch auf der Art Unlimited, was für eine auf Fotografie spezialisierte Galerie zunächst ungewöhnlich erscheint. Er zeigte dort die siebenteilige Office at Night (1986) von Victor Burgin. Die Gladstone Gallery wurde 1980 durch die damals 40-jährige Kunsthistorikerin Barbara Gladstone in Midtown Manhatten gegründet. Ihr heutiges Programm mit 46 vertretenen Künstlern bezeichnet Barbara Gladstone als „Conceptual Connections“. Auf der Art Basel war die Galerie unter anderem mit Skulpturen von Cameron Jamie, einem amerikanischen Multimedia- und Performancekünstler, vertreten. Die 1992 in Zürich gegründete Galerie Hauser & Wirth führt vor allem etablierte Künstler im Programm, sie repräsentiert aber auch die Nachlässe von Eva Hesse, Jason Rhoades und Dieter Roth. Da das am Stand zur näheren Betrachtung vorgesehene Kunstwerk – ein Glasobjekt von Roni Horn – zwischenzeitlich verkauft und abtransportiert worden war, wandte sich die Gruppe Arbeiten von Paul McCarthy, Jean Tinguely und Gerhard Richter zu. Anschließend ging es zum Stand der 1997 in New York gegründeten Galerie Cheim & Read, wo wir uns mit einer Arbeit von Sean Scully auseinandersetzten. Als letzte Galerie stand die in Hamburg und Beirut ansässige Sfeir-Semler Gallery auf dem Programm. Seit 1985 legt diese den Fokus auf Konzeptkunst und Künstler des arabischen Kulturkreises. Ihr Erfolg, der sich nicht zuletzt in der Beteiligung von fünf durch Andrée Sfeir-Semler vertretene Künstler an der Documenta 13 zeigt, zeugt vom großen Interesse des Kunstmarktes an arabischer Kunst und der Verarbeitung politischer Entwicklungen seit dem Arabischen Frühling. Näher betrachteten wir hier die biographisch geprägte Installation „Row, Row, Row, Your Boat“ (2015) von Rayyane Tabet sowie Anne und Patrick Poiriers „Moyen Orient #7“ (2015). Den Abschluss unserer Exkursion bildete für die meisten von uns ein Eis aus Flechten, Moos, Asche und Holzkohle, Teil des Kunstwerks „Painting the roof of your mouth“ von Davide Balula. So gestärkt konnten wir uns schließlich auf den Heimweg machen.

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Die Seminarteilnehmerinnen danken Frau PD Dr. Wattolik für die tolle Organisation und die kompetente Führung während der beiden intensiven Exkursionstage in Basel. Es war aufschlussreich, auf einer der international bedeutendsten Kunstmessen sein zu können, um das zuvor im Seminar angeeignete Wissen über den Kunstmarkt und dessen Akteure direkt erleben und analysieren zu können. Außerdem war es eine spannende Erfahrung, mit MitarbeiterInnen der verschiedenen Galerien über die dort präsentierten KünstlerInnen, deren Exponate samt ihrer Entstehungshintergründe, Interpretationsmöglichkeiten und die Verkaufspreise zu sprechen. Dabei interessierten sich diese auch für uns Studierende und wünschten uns für unsere Zukunft als Kunsthistorikerinnen alles Gute. Die Exkursion zur Art Basel war für alle Teilnehmerinnen ein schönes und erkenntnisreiches Erlebnis!