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2015 – Frankfurt-Darmstadt

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Dienstag | 10.02.2015

Am Dienstag, den 10. Februar 2015 erreichten wir nach dreistündiger Busfahrt die Stadt, die wir in den folgenden Tagen zusammen mit Frau Prof. Dr. Wattolik kennenlernten: Frankfurt am Main. Nach einer kurzen Erfrischung in der zentral gelegenen Pension begannen wir gleich damit, die Stadt zu erkunden. Zunächst sammelten wir uns am Holbeinsteg, von wo aus wir einen guten Blick auf die Frankfurter Skyline und den Main hatten. Nach einer kurzen Darstellung der Stadtgeschichte gingen wir zum Deutschen Architekturmuseum, wo wir die Ausstellung „Himmelstürmend – Hochhausstadt Frankfurt“ besuchten. Dort konnten wir die Architektur der Hochhäuser, die wir eben noch von Weitem betrachtet hatten, anhand von Modellen genauer untersuchen. Bei deren Besprechung – vom postmodernen Messeturm, über die punktsymmetrisch gegeneinander verschobenen Hochhaustürme der Deutschen Bank bis hin zum dekonstruktivistischen EZB-Neubau – erhielten wir einen Eindruck von der Entwicklung Frankfurts zu einer bedeutenden Hochhausstadt.

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Im Anschluss daran gingen wir in das nur wenige Schritte entfernte Städelmuseum. Dort beschäftigten wir uns mit ausgewählten Werken Alter Meister, unter anderem von Rogier van der Weyden, Jan van Eyck und Rembrandt. Zum Abschluss des Tages liefen wir noch gemeinsam in die Innenstadt. Von einer Aussichtsplattform auf der Zeil aus konnten wir schließlich noch einmal die Nachtansicht Frankfurts betrachten.

Mittwoch | 11.02.2015

Der Mittwoch begann am Morgen mit einem Rundgang durch die historische Altstadt von Frankfurt. Zuerst besichtigten wir den Römer, dem sich aus einem Ensemble von Bürgerhäusern zusammensetzenden Rathaus. Die Anlage war ursprünglich ab dem 15. Jahrhundert entstanden und hatte sich nach und nach durch Ankäufe und Umbau einzelner Gebäude vergrößert. Der Komplex wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und ab den 1950er Jahren wieder aufgebaut. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Altstadt ist der Dom St. Bartholomäus, welcher der größte Sakralbau Frankfurts sowie ehemalige Stifts- und Pfarrkirche ist. Der besondere Grundriss – das Querhaus ist länger als das Langhaus –  zeichnet die Hallenkirche aus. Ab 1152 wurden in ihrer Vierung die deutschen Könige gekrönt, seit 1562 fanden dort auch die Kaiserkrönungen statt. Zuletzt darf nicht die Paulskirche vergessen werden, die anstelle der 1768 abgerissenen mittelalterlichen Barfüßerkirche in den Jahren 1789–1833 im klassizistischen Stil errichtet wurde. In dem Bau des Architekten Johann Friedrich Christian Hess tagten 1848–1849 die Delegierten des Vorparlaments und der Nationalversammlung.

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Nach dem Altstadtrundgang ging es in die Schirn Kunsthalle zur Ausstellung „Poesie der Großstadt. Die Affichisten“. Auf Streifzügen durch das Paris der 1950er Jahre „erbeuteten“ die Affichisten Teile der in den Straßen der Stadt allgegenwärtigen, oft verwitterten Plakatwände und erhoben sie zur Kunst. Sie sollten als Gegenstück zur abstrakten Malerei der Nachkriegszeit gelten. Künstler wie Francois Dufrêne, Raymond Hains, Jacques Villeglè, Mimmo Rotella und Wolf Vostel waren in der Ausstellung mit ihren Plakatabrissen vertreten. Darüber hinaus ergänzten fotografische, filmische und poetische Werke den Überblick über die künstlerische Gruppierung.
Im Anschluss besichtigten wir im Museum für Moderne Kunst 3 eine Einzelausstellung des ägyptischen Gegenwartskünstlers Hassan Khan. Die verschiedenen Medien, wie z.B. Installation, Video, Ton und Licht, wurden bei der Betrachtung als Einheit wahrgenommen. Auf das vom Künstler bearbeitete Thema Macht weist der Titel „Flow My Tears, the Policeman Said“ hin, der einem Roman des amerikanischen Autors Philip K. Dick entnommen wurde. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir im Museum für Moderne Kunst 1. Ausgehend von Kurzreferaten diskutierten wir über Werke von Künstlern der Pop Art, wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Tom Wesselmann oder Claes Oldenburg, die natürlich nicht im Programm fehlen durften. Aber auch Werke von Robert Rauschenberg, Jasper Johns, On Kawara, James Turrell oder Lawrence Weiner besprachen wir intensiver.

Donnerstag | 12.02.2015

Am Donnerstag stand der Besuch Darmstadts auf der Tagesordnung. Im dortigen Hessischen Landesmuseum, das nach einer siebenjährigen Renovierung unlängst wieder eröffnet worden war, besichtigten wir zunächst die naturwissenschaftliche Sammlung mit einigen Dioramen sowie Skeletten und Präparaten von verschiedensten Tierarten. Dieser Exkurs sollte nicht nur der Vielseitigkeit des Mehrspartenmuseum gerecht werden, sondern auch dazu dienen, den „Block Beuys“, welchen wir später noch betrachten sollten, in seinem ortsspezifischen Kontext zu verstehen. Nach einer Auseinandersetzung mit einer Replik von Marcel Duchamps Readymade „Fahrrad-Rad“ (1913) in der Sammlung moderner Kunst brachten uns zwei Kommilitoninnen anhand einer Auswahl an Arbeiten eben diesen „Block Beuys“ näher. Es handelt sich dabei um 290 Werke von Joseph Beuys, welche der Künstler in sieben Räumen bewusst angeordnet hatte. Nach einer kurzen Pause wurde noch über einzelne herausragende Gemälde und Altäre der älteren Kunstgeschichte, darunter der Ortenberger Altar sowie Malereien von Stefan Lochner und Pieter Bruegel d. Ä., referiert. Leider war es aufgrund der Größe der Sammlung unmöglich, alles zu sehen. Aber wir gewannen einen spannenden Einblick.

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Am Nachmittag besuchten wir die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, welche dem Namen gemäß eine Erhebung am Rand der Innenstadt ist. Bei der Künstlerkolonie handelte es sich um eine Gruppe von Künstlern, die auf Einladung des letzten regierenden Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein zwischen 1899 und 1914 eine architektonische Landschaft errichteten, die vornehmlich durch Elemente des Jugendstils geprägt ist. Wir begannen unseren Rundgang und die nähere Betrachtung einiger architektonischer Bauten direkt vor dem Wasserbecken von Albin Müller, welches zusammen mit der dahinterliegenden russischen Kapelle, dem Hochzeitsturm mit dem Ausstellungsgebäude von Joseph Maria Olbrich sowie dem Platanenhain das Zentrum der Mathildenhöhe bildet. Daraufhin führte uns unser Weg weiter südlich zu den umliegenden Künstlerhäusern in den Straßen des Alexandraweges und Prinz-Christians-Weges. Dort ließen wir uns in einem „Rundgang“ um die Straßensiedlung über die Gebäude Haus Behrens, das große Glückerthaus, Haus Olbrich und Haus Deiters informieren. Unser Weg führte uns schließlich wieder in die Nähe unseres Startpunktes auf der Mathildenhöhe, wo wir das Ernst-Ludwig-Haus zunächst ebenfalls von außen betrachteten und diskutierten. Anschließend besuchten wir das Museum Künstlerkolonie, welches sich in eben diesem Gebäude befindet. Dort gewannen wir anhand von zahlreichen Einrichtungsgegenständen, Möbeln und Kunstobjekten weitere Eindrücke von der Verbindung von Architekturformen mit Einrichtungsformen als – aus damaliger Sicht – zukunftsweisender Wohn- und Lebensweise. Wir machten uns im Anschluss daran auf den Weg zum ca. 500 m entfernten Park Rosenhöhe, welcher ebenfalls auf einem Hügel, weiter östlich der Mathildenhöhe liegt und an dessen Eingang Teile des Löwentors aus der Ausstellung von 1914 aufgestellt sind. Trotz des trüben Wetters war ein kleiner Spaziergang im Park eine schöne Abwechslung. Unser Rückweg führte uns nun wieder ganz in die Nähe der Jugendstilhäuser, die wir uns bereits angesehen hatten. Hier nämlich erwartete uns die Privatsammlung Sander als nächste Station, die sich nur wenige Meter davon befand.
In der Villa der Privatsammlung wurden wir herzlich von dem Ehepaar Sander begrüßt. Frau Oberhand, die die Sammlung seit vielen Jahren betreut, führte unsere Exkursionsgruppe in den Ausstellungsraum, in dem wir neu erworbene Leinwandgemälde der Gegenwartskunst vorgeführt bekamen. Als besonderes Highlight durften wir auf Wunsch der Gruppe das Depot besichtigen, das als einem weiteren Schwerpunkt der Sammlung Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts umfasst. Besonders herausstechend waren dort die Landschaftsgemälde von Eugen Bracht.

Der Weg führte uns weiter zur Kunsthalle Darmstadt. Dort war eine nach dem Kalender gegliedert Werkserie des Künstlers Milak Radenko von 365 Bildern ausgestellt. Dabei sollte jedes der den Massenmedien entnommenen und als Aquarelle neu verarbeiteten Bilder an prägende Ereignisse aus dem 19. oder 20. Jahrhundert erinnern. Häufige Themen waren neben Kriegen, Attentaten sowie Staatsakten auch Ereignisse der Kunst-, Medien- oder Technikgeschichte. Am Ende der Besichtigung stellte sich der Leiter der Kunsthalle, Dr. Krempel, der Gruppe vor und sprach über seine Arbeit an der Ausstellung. Mit ihm und Frau Prof. Dr. Wattolik ließen wir den Abend in geselliger Runde beim gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Freitag | 13.02.2015

Am Freitag den 13.02.2015 begann unser letzter Exkursionstag mit einer Tour durch das Hochhausgelände und Bankenviertel. Dort betrachteten wir die einzelnen Gebäude aus nächster Nähe und verglichen unsere Eindrücke mit denen, die wir im Architekturmuseum des vorangegangenen Dienstags gewonnen hatten. Wir begannen mit der Analyse des Messeturms; im Anschluss daran untersuchten wir das Deutsche-Bank-Hochhaus von außen und innen. Darauf folgten das Japan Center, der Commerzbank Tower und der Main Tower, welcher das einzige Gebäude mit begehbarer Besucherplattform darstellt. Im Foyer des Main Towers befindet sich außerdem eine Video-Klang-Installation Bill Violas, die wir ausgiebig betrachteten.

Die Exkursion fand ihren Abschluss im Museum für Moderne Kunst 2, das sich direkt gegenüber des Japan Centers befindet. Dort besuchten wir die aktuelle Wechselausstellung „Boom She Boom“, die sich ausschließlich der Kunst von Frauen aus dem späten 20. und 21. Jahrhundert widmete. Angefangen bei Vanessa Beecroft mit ihren provokativen Filmen und Fotos, in denen nackte Models in High Heels den Blicken der Betrachter standhalten und somit eine Diskussion über Rolle und Macht der Frau entfachen, über die Kriegsjournalistin Anja Niedringhaus, die mit ihren Schwarz-Weiß-Fotografien sensible Dokumentationen des Kriegsalltags in Afganistan und im Irak erstellte, bis hin zu Katharina Fritsch, die streng mit seriellen Prinzipien arbeitet, erkundeten wir in unserem Rundgang die Ausstellung. Wir lernten Werke von Cady Noland, Sarah Morris, Taryn Simon, Rosemarie Trockel, Charlotte Posenenske, Elaine Sturtevant sowie Joe Baer und Jewyo Rhii kennen. Isa Genzkens „Oil“, das 2007 Teil einer größeren Installation im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig gewesen war und das auf das Öl als einen zeitgenössischen Stoff zur Herstellung anderer Materialien einerseits verweist, andererseits aber auch auf die Ölindustrie selbst, konnte mit Arbeiten von Joseph Beuys verglichen werden, wodurch sich das Programm der Exkursion abrundete.

Der Bericht wurde von allen Teilnehmer/innen der Exkursion gemeinsam verfasst: Sarah Brückner, Sarah Fetzer, Nina Gold, Jakob Krenzel, Julian Lattich, Clara Märtterer, Christoph Sandreuther, Sabrina Schmidt, Nicola Vogel. Lektorat: Eva Wattolik.