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2013 – Los Angeles

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Nur im Museum schien die Sonne nicht!

Die California-Exkursion des Instituts für Kunstgeschichte vom 1. bis 8. Oktober 2013 mit Herrn Prof. Dr. Dickel und Frau Dr. Wattolik

Dienstag, 1. Oktober: Anreise nach Los Angeles
Die Exkursion sollte das Oberseminar „Los Angeles. Kunst, Architektur und Medienindustrie in der kalifornischen Metropole“ abrunden. Früh am Morgen trafen sich die Teilnehmer, 13 Studenten und 15 Gasthörer, in Nürnberg zum langen Flug über Frankfurt nach Kalifornien. Nach einem Welcome im Hotel wurden die Zimmer bezogen und wir versuchten uns trotz jetlag zu entspannen, um für die bevorstehenden, ereignisreichen Tage fit zu sein.

Mittwoch, 2. Oktober: Downtown
Am ersten Tag sollten die architektonischen Highlights im Stadtteil Downtown besichtigt werden. Durch gut vorbereitete Referate konnten sich die anderen Teilnehmer über die ausgewählten Bauwerke informieren. Den Auftakt bildete der im spanischen Kolonialstil gebaute Bahnhof „Union Station“ der Architekten John und Donald B. Parkinson. Danach ging es zur imposanten „City Hall“ im Art Déco-Stil und zum schlichten Kubus „Higgins Building“ im Beaux Arts-Stil. Am Broadway sahen wir das „Bradbury Building“, das uns im Innenraum mit großen Dachfenstern, eleganten Galerien, edlen Holzvertäfelungen, schmiedeisernen Balustraden und Aufzügen beeindruckte. Im kulinarisch vielfältigen Angebot einer multikulturellen Markthalle konnten wir uns mittags stärken. Die Route führte dann hinauf zur „Wells Fargo Plaza“ mit ihren urbanen Skulpturen zwischen den Hochhäusern der Konzerne. Weitere Referate erläuterten uns das postmoderne „Bonaventure Hotel“ der Architekten John Portman & Associates sowie Frank Gehrys glitzernd glamouröse „Walt Disney Concert Hall“ auf dem Bunker Hill. Den Abschluss bildete die „Cathedral of Our Lady of the Angels“, ein moderner Sakralbau, offen für alle ethnischen Gruppen der Stadt, gebaut von José Rafael Moneo.

Donnerstag, 3. Oktober: Getty Center
Den Tag verbrachten wir im Getty Center, das aus der Stiftung Jean Paul Gettys hervorgegangen ist und heute als die weltweit größte Forschungseinrichtung für die Kunst- und Kulturwissenschaften gilt. Während eines Referats zur Architektur von Richard Meier bestaunten wir den Blick über Santa Monica bis an den Pazifik und setzten die auf einem campus-ähnlichen Terrain verteilten Pavillons laufend zu einem Gesamteindruck zusammen. Die Reaktion der Teilnehmer auf die hellen, travertinverkleideten Gebäude von 1997 war durchweg positiv und wurde im „Central Garden“ von Robert Irwin noch gesteigert. Dank gelungener Organisation von Prof. Hans Dickel im Vorfeld der Exkursion trafen wir mehrere Kuratoren des Museums: Im Department of Drawings begrüßte uns Dr. Stephanie Schrader mit einer freundlichen Einführung und zeigte uns unter anderem Blätter aus Federico Zuccaris Zyklus „La vita di Taddeo“. Am Nachmittag luden uns Dr. Rani Singh und Dr. Christopher Alexander an den Round Table im Getty Research Institute ein, wo wir Fragen zu den Ausstellungen „Pacific Standard Time. Kunst in Los Angeles 1945-1980“ und „L.A. Overdrive“ (dem Architektur-Pendant) formulierten. Beide Ausstellungen waren zuvor Thema des Erlanger Seminars gewesen. Nach der Präsentation einer temporären Installation von Werner Herzog durch einen studentischen Teilnehmer gaben zwei Kommilitoninnen kompetente Führungen durch die Räume der Fotografie. Dort sahen wir Aufnahmen von Abelardo Morell und verglichen die künstlerischen Positionen von Gregory Crewdson und Robert Adams  miteinander. Besondere Einblicke in das Leben eines Research Fellows gab uns Prof. Dr. Martin Schieder, der von seiner Arbeit am Getty Center berichtete und sein Büro für unsere neugierigen Blicke öffnete. Den Tag rundeten Referate zu den Skulpturen des Getty Sculpture Garden ab.

Freitag, 4. Oktober: University of California, Riverside
Am Freitag stand für uns Studierende der Besuch an unserer neuen Partneruniversität, der University of California, Riverside, an. Bei einem ersten kunsthistorischen Workshop präsentierten uns die kalifornischen Studierenden ihre Forschungsvorhaben und wir stellten ebenso unsere Themen vor. Im anschließenden Gespräch diskutierten wir im Round Table über unsere Projekte und tauschten uns aus. Ebenso sprachen wir über zukünftige Kooperationsmöglichkeiten und den Ausbau der Partnerschaft. Dadurch konnte das Fundament für die zukünftige Zusammenarbeit gelegt werden. Dr. Michael Pazzani, stellvertretender Kanzler des Research and Economic Development, und Prof. Dr. Patricia Morton, Dekanin des Departments, begrüßten uns und hießen uns herzlich willkommen. Das gemeinsame Mittagessen im Faculty & Alumni House gab die Möglichkeit, uns näher kennenzulernen, wir speisten dort leckere mexikanische Spezialitäten. Die Zusammenkunft wurde von kalifornischer und deutscher Seite als durchwegs positiv empfunden, ganz im Sinne der Absichtserklärungen beider Universitäten, die den akademischen Wissensaustausch fördern möchten. Somit konnte das von F.A.U.-Präsident Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske und Timothy P. White, dem ehemaligen Kanzler der UCR, unterschriebene Vorhaben aktiv umgesetzt werden.

Für den herzlichen Empfang und die gute Organisation des Workshops möchten wir uns an dieser Stelle sehr bei unseren kalifornischen Kollegen bedanken. Besonderer Dank gilt hier Prof. Dr. Hans Dickel (F.A.U.) und Prof. Dr. Jeanette Kohl (UCR), welche den Austausch maßgeblich ermöglicht haben. Währenddessen besuchten die Gasthörer in Pasadena das „Gamble House“ und die „Huntington Gallery“.

Samstag, 5. Oktober: Midtown und LACMA
Den Auftakt am Samstag bildete ein Referat zum „Bullocks-Wilshire Department Store“, einem eleganten Art Déco-Gebäude, das in den goldenen Jahren der Stadt ein luxuriöses Kaufhaus beherbergte. Danach fuhren wir zum Los Angeles County Museum of Art (LACMA), wo wir nach einer Einführung in Geschichte und Architektur des Museums zu einem Rundgang auf dem Gelände aufbrachen. Wir diskutierten über die Außenraumskulptur „Urban Light“ von Chris Burden und den Palmengarten Robert Irwins, bevor es zur überdimensionalen Land Art-Installation „Levitated Mass“ von Michael Heizer weiterging. Nach einem freien Rundgang durch die Ausstellungsräume konzentrierten wir uns auf amerikanische Künstler des 20. Jahrhunderts, unter anderem Frank Stella, Cy Twombly und Andy Warhol. Eine angeregte Diskussion ergab sich vor Roberto Mattas inhaltlich und formal anspruchsvollem Gemälde „Burn, Baby, Burn“. Einig war man sich dagegen, dass David Hockney in „Mulholland Drive“ auf zahlreiche Vorbilder aus der europäischen Kunstgeschichte anspielt. Einen informativen Einblick gewannen wir auch in eine Video-Installation von Bruce Nauman und stellten uns abschließend Fragen zur musealen Präsentation von Richard Serras „Band“. Aufgeladen von diesen facettenreichen Eindrücken konnten wir am Abend unseren Augen und Füßen Entspannung gönnen, entweder beim Besuch eines klassischen Konzerts in der Walt Disney Concert Hall oder am Strand des Santa Monica Piers.

Sonntag, 6. Oktober: West Hollywood
Am Sonntag brach die Gruppe früh nach West Hollywood auf. Zuerst wurde die University of California, Los Angeles (UCLA) durch ein Referat vorgestellt: Ihr Hauptgebäude, die Ehrfurcht erregende Royce Hall, imponierte uns sehr. Im „Murphy Sculpture Garden“ der Universität, der über 70 herausragende Skulpturen beherbergt, sahen und besprachen wir Werke von Barbara Hepworth, Jack Zajac, Hans Arp, David Smith, Henry Moore, Aristide Maillol, Robert Graham, Flechter Benton, Joan Miro, Auguste Rodin, William Turnbull, George Rickey, Alexander Calder und Deborah Butterfield. Nach einer Besichtigung des schlichten, eleganten „Schindler House“, das uns Frau Siegrun Mörtel informationsreich vorstellte, richtete sich aller Augenmerk auf Hollywood: Am berühmt berüchtigten Hollywood Boulevard landeten wir schnell auf dem „Walk of Fame“. Durch zwei Referate ließ sich die Gruppe in die Geschichte der Traumfabrik entführen, um anschließend das „Egyptian Theatre und das „Grauman’s Chinese Theatre“ kennenzulernen.

Am Ende des Tages wurden wir Studenten von den Gasthörern zu einem traditionellen mexikanischen Abendessen eingeladen, wofür wir uns an dieser Stelle sehr bedanken. Stilecht konnten wir den erlebnisreichen Tag abrunden und den bisherigen Aufenthalt gemeinsam Revue passieren lassen.

Montag, 7. Oktober: MOCA, Bill Viola und Culver City
Am Montag war ein großer Tag für die StudentInnen: Wir besuchten den Videokünstler Bill Viola! Doch bevor wir zu seinem Atelier aufbrachen, bildete das Museum of Contemporary Art (MOCA) einen bedeutenden Programmpunkt. Eine Teilnehmerin referierte über die geometrisch streng proportionierte Architektur, deren Hauptgebäude von Arata Isozaki mit tonnengewölbtem Anbau und Glaspyramiden in Erinnerung bleiben wird. Im Inneren besprachen wir ausgewählte Werke wie „Combines“ von Robert Rauschenberg, Pop-Art von Roy Lichtenstein und Andy Warhol oder den Abstrakten Expressionisten Franz Kline, natürlich nicht ohne einen Blick auf Jackson Pollocks „Action Paintings“ zu werfen oder uns im kontemplativen Betrachten von Mark Rothkos Farbfeldmalerei vom Gefühl des Erhabenen einnehmen zu lassen. Kurz nach Mittag hieß es dann: Gemeinsam mit Frau Dr. Wattolik Abfahrt nach Long Beach! Dort erwartete Bill Viola unsere Gruppe mit Trauben und erfrischenden Getränken. Alle Müdigkeit verflog, als er sich unseren Fragen stellte und uns mit Pathos die wichtigsten Quellen seiner Kunst erklärte, nämlich Inspiration, Kreativität und das Universum. Er zeigte uns Ausschnitte aus seinen Videos, die er im Atelier gedreht hatte, und schüttelte uns zum Abschied die Hand, sodass wir uns davon überzeugen konnten, tatsächlich den ehemaligen Assistenten von Nam June Paik getroffen zu haben. Die Eindrücke ließen wir beim Sonnenuntergang in Long Beach nachwirken.

Die Gasthörer waren an diesem Nachmittag in Culver City, wo Frau Siegrun Mörtel über die Architektur von Eric Owen Moss referierte. Im Anschluss führte Prof. Dr. Hans Dickel durch die Architektur in Venice Beach und besprach Außenraumskulpturen von Jonathan Borofsky und Claes Oldenburg. Die Gruppe ließ den Abend bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.

Dienstag, 8. Oktober: Downtown und Abreise
Nun war der letzte Tag in Los Angeles angebrochen und wir hatten eine zweite Tour durch Downtown geplant. Der Morgen begann mit der Vorstellung de „Eastern Columbia Building“ im Art déco-Stil, das mit einer blauen Terra-Cotta Fassade verkleidet ist und des „Fine Arts Buildings“, das von den Architekten Albert R. Walker und Percy A. Eisen aufwendig designt wurde. Im Anschluss daran widmeten wir uns dem 62-stöckigen Wolkenkratzer „Aon Center“ und dem noblen „Oviatt Building“ im Art Déco-Stil. Unsere Route führte uns weiter zur „Richard Riordan Central Library of the L. A. Public Library“ mit beeindruckenden Wandbildern von Dean Cornwell und zur „City National Plaza“, die nach Plänen des Architekten Albert C. Martin & Associates entstand. Wir besichtigten ferner das 73-stöckige Hochhaus „U.S. Bank Tower“. Außerdem ließen wir die „Bunker Hills Steps“, entworfen von Lawrence Halprin, mit ihren vielen Stufen und künstlichem Wasserfall auf uns wirken. Im „Biltmore Hotel“ war es uns vergönnt, auch die exklusiven Innenräume zu besichtigen. Am späten Nachmittag brachen wir wehmütig zum Flughafen auf und traten unseren Rückweg nach Nürnberg an. Einen Tag später, am 9. Oktober, kamen wir abends im vertrauten Franken an. Hinter uns lag ein ereignisreicher Aufenthalt in Los Angeles – City of Angels.

Zu guter Letzt möchten wir uns bei allen mitreisenden Gasthörern des Freundeskreises des Instituts bedanken. Es hat uns sehr gefreut, dass sie an unserer Studienfahrt teilgenommen haben und ebenso durch finanzielle Unterstützung die Exkursion ermöglichten.

Für die herausragende Planung, perfekte Organisation und sichere Führung durch Los Angeles möchten wir dem Ehepaar Siegrun und Peter Mörtel herzlichst danken.
Wir bedanken uns bei Frau Dr. Eva Wattolik, die uns den Besuch bei Bill Viola ermöglichte. Ihrer Organisation ist es geschuldet, dass wir einen entspannten Künstler antrafen, der sich viel Zeit für uns nahm und uns seine Kunst aus nächster Nähe erklärte.

Unser ausdrücklicher Dank gilt Herrn Professor Hans Dickel, seinem Engagement ist es geschuldet, dass die nötige Finanzierung der Exkursion sichergestellt war. Außerdem danken wir für die exzellente Betreuung und dafür, dass wir von den Kontakten profitieren durften und so Zugang zu unterschiedlichen Museen und Kultureinrichtungen in Los Angeles hatten. Wir konnten dadurch wunderschöne Tage in Los Angeles verbringen und werden diese immer in positiver Erinnerung behalten.

Hannah Butz und Susanne Lettner für die teilnehmenden Studierenden des Instituts für Kunstgeschichte

Hier finden Sie die Präsentation der Exkursion als PDF.