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2009 – Riga-Vilnius

Riga, 23.07.2009

Am ersten Exkursionstag hörten wir, Prof. Dickel, 14 Gasthörer und 15 Studenten bereits am Flughafen ein Referat zur Geschichte Lettlands und seiner Hauptstadt Riga. Es stellte sich heraus, wie wichtig den baltischen Staaten ihre Freiheit und Unabhängigkeit ist. In Riga angekommen, begannen wir mit der Petrikirche, die infolge ihrer langen Baugeschichte verschiedene Stilrichtungen vereint. Außenfassade und Innenraum erinnern an die deutsche Backsteingotik. Weiter hörten wir ein Referat zum Alten Rathaus, einem Beispiel der frühklassizistischen Architektur Rigas, sowie zur Rolandfigur, welche die Gerichtsbarkeit der Stadt verkörpert. Gleich im Anschluss widmeten wir unsere Aufmerksamkeit dem gotischen Schwarzhäupterhaus und dem barocken Schwabehaus, die zur Achthundertjahrfeier originalgetreu rekonstruiert wurden und nun wieder das Bild des Marktplatzes prägen. Wir betrachteten den Dom und analysierten den Übergang von der Romanik zur Gotik, abschließend wandelten wir durch den Kreuzgang des Klosters. Am nahegelegenen Herderdenkmal erfuhren wir, dass Herder Lehrer an der Domschule war und eine Sammlung lettischer Volkslieder herausgegeben hat. Ein Vortrag über die Rigaer Gilden, die aus Bruderschaften auf religiöser Basis hervorgegangen waren, erläuterte zugleich die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Kaufleute fanden in der Großen, Handwerker in der Kleinen Gilde ihren Platz. Gegenüber befindet sich das sog. Katzenhaus, erbaut im nationalromantischen Stil. Sein Besitzer erzwang sich die Aufnahme in die Gilde mit zwei Katzen, die der Großen Gilde solange ihre Rückseite zuwandten, bis seine Aufnahme erfolgte. Ein weiteres Referat betraf das „Drei Brüder“-Ensemble, das die Architekturstile des 15., 17. und 18. Jahrhunderts veranschaulicht und das Leben in den Altstadtgassen Rigas erahnen lässt. Den nächsten Programmpunkt stellte der Besuch der römisch-katholischen St. Jakobi-Kathedrale dar, der ältesten Kirche der Stadt. Die frühgotische Außenfassade beeindruckt besonders durch ihre in die Höhe strebende Komposition und den berühmten Glockenturm. Den Abschluss bildete der Vortrag über das Schloss in Riga. Die schlichte Fassade ist klassizistisch gestaltet. Auf dem Dach befinden sich drei Sterne, die die drei lettischen Provinzen, Vidzeme, Kurzeme und Latgale symbolisieren. Heute beherbergt es die Kanzlei und Residenz des Präsidenten und mehrere Museen.

Riga, 24.07.2009

Am frühen Morgen versammelten wir uns im Park „Vermanes darz“, der nach dem Schleifen der Rigaer Wallanlagen zwischen der Alt- und Neustadt angelegt wurde. Durch eine Einführung zum Thema „Jugendstil“ erfuhren wir, dass Riga noch heute das weltweit größte Ensemble von Wohnhäusern aus dieser Zeit besitzt. Besondere Beachtung erhielt neben dem „dekorativen“ und dem „lotrechten“ der„nationalromantische Jugendstil“, der durch traditionelle lettische Ornamentik und steile Giebel markant in Erscheinung tritt. Mit Konstantīns Pēkšēns und Eižens Laube lernten wir zwei Vertreter des „Rigaer Jugendstils“ kennen und erprobten durch genaue Betrachtung der Fassaden, insbesondere in der Prachtstraße „Elizabetes iela“, die Zuordnung der Häuser zu den verschiedenen stilistischen Ausprägungen. Zum Abschluss besuchten wir im Wohnhaus „Alberta iela 12“ ein Museum, das sich in der ehemaligen Wohnung des Architekten Pēkšēns befindet. Nach der Mittagspause stand die orthodoxe „Christi-Geburt-Kirche“ auf dem Programm, ein kreuzförmiger Zentralbau im byzantinischen Stil. Zwischen den Trauungszeremonien, die im 30 Minutentakt stattfanden, erfuhren wir allerlei Neues über Ikonostasen und die Ikonenmalerei.

In der lettischen Kunstakademie, einem neogotischen Ziegelsteinbau, dessen hohe Fenster mit ihren prachtvollen Glasmalereien viele begeisterten, stöberten wir ein wenig durch die Künstlerateliers. Von dort gelangten wir zur imposanten Freiheitsstatue. Mythologische Stoffe aus der lettischen Geschichte sind hier in einer Tradition und Moderne merkwürdig verbindenden Formensprache dargestellt. Vorbei am lettischen Parlament, das architektonisch an den Medici-Palast in Florenz erinnert, gelangten wir zu unserem nächsten Programmpunkt, der Synagoge von Riga. Da es Freitag und somit „Sabbat“ war, konnten wir diese nur von außen besichtigen. Eine Gasthörerin brachte uns das Bauwerk, seine Geschichte sowie besondere Bräuche und Traditionen näher.

Riga/ Vilnius, 25.07.2009

Die lange Busfahrt nach Vilnius wurde durch kleine Referate seitens der Studenten zum lehrreichen Erlebnis und führte zunächst zum Schloss Rundāle. Ein Referat erläuterte die Anlage der Gebäude und deren architektonischen Feinheiten, bevor wir die grandiose Parkanlage besichtigten, als deren Vorbild Versailles diente. Nach kurzer Weiterfahrt wurden wir von einer Studentin in ihrer Landessprache in Litauen begrüßt, bevor wir mit einem Referat über Sagen und Mythologie in die baltische Märchenwelt eintauchten. Der Europa-Park bildete dann noch einmal eine willkommene Abwechslung zu der langen Fahrt, denn fast 100 Skulpturen von Künstlern aus über 29 Ländern sind dort zu entdecken. Auch wenn das geographische Zentrum Europas nicht ganz mit der Lage des Parks übereinstimmt, haben die weitläufigen Lärchen-und Birkenwälder doch eine eigentümliche Aura. Unser Spaziergang führte uns zunächst zum LNK Infotree von Gintaras Karosas, dem Begründer des Parks. Ein Labyrinth aus ehemals 3000 alten Fernsehern, die in ihrer Gesamtheit aus der Vogelperspektive gesehen die Form eines Baumes bilden, mit einer gestürzten Leninskulptur im Zentrum, erwartete uns. Weiter ging es zur Double Negative Pyramide von Sol LeWitt, einer Skulptur, die mit ihren Positiv- und Negativformen sowie der Spiegelung in einem eigens dafür angelegten Teich die Wahrnehmung herausfordert und Deutungen auf verschiedenen Ebenen zulässt. Doch wir wanderten weiter zum nächsten Objekt, Space of Unknown Growth von Magdalena Abakanowicz. 22 massive Felsblöcke, die in ihrer künstlich geformten Gestalt an Eier erinnern, kamen in einer Senkung zum Vorschein und es entfaltete sich eine angeregte Diskussion. Aufgrund ihrer Komposition kam abermals der Freiheits- und Unabhängigkeitsgedanke mit der Frage nach der Stellung Litauens in Europa auf. Nach einer kurzen Pause im Hotel gingen wir in die Altstadt von Vilnius zu einem weiteren Referat vor der Kathedrale St. Stanislaus und beschäftigten uns eingehend mit deren Fassade.

Vilnius, 26.07.2009

Am Sonntag ging es in aller Frühe auf den Burgberg, 40 Meter oberhalb der Altstadt, wo wir nicht nur einen wunderschönen Blick genossen, sondern vor allem einem Referat zur Stadtgeschichte und dem Gediminas-Turm lauschten. Nach einem steilen Abstieg wurde uns die kostbar mit Marmor ausgeschmückte Kasimirkapelle genauer erläutert. Das Gediminasdenkmal auf dem Platz vor der Kapelle zeigt eine eher befremdliche Form, denn der Stadtgründer von Vilnius sitzt nicht auf dem Pferd sondern steht vor ihm. Unsere nächste Station war das sogenannte „gotische Ensemble“, bestehend aus den Kirchen St. Anna und St. Bernhard. Die Gebäude aus Backstein beeindruckten durch ihre reiche plastische Außengestaltung, doch der Gottesdienst verhinderte die Besichtigung der Innenräume. So widmeten wir uns dem Denkmal des romantischen Schriftstellers und Freiheitskämpfers Mickevicius und zugleich einem Teil der Literaturgeschichte Litauens. Das Alte Rathaus an der Südseite seines dreieckigen Vorplatzes war der letzte Programmpunkt vor der Mittagspause. Am Nachmittag ging es zur Choral-Synagoge, in der wir eine kleine Führung erhielten. Das Tor der Morgenröte erwartete uns als nächste Station. Die Pilgerstätte beherbergt ein Marienbildnis, das katholische Heiligtum Litauens. In der orthodoxen Heiliggeistkirche wurden wir detailliert in das Mönchtum eingewiesen. Den Abschluss des Programms in der Altstadt bildete die Kasimirkirche. In der an Il Gesú angelehnten Barockkirche bekamen wir die Möglichkeit, in die Krypta hinabzusteigen. Mit dem Taxi ging es weiter zum „Zentrum für Moderne Kunst“. Hier wurden wir von einer litauischen Studentin in das Werk des bekanntesten litauischen Künstler Mikalojus Konstantinas Ciurlionis eingeführt. Die Orientierung seiner Malerei an der Musik lässt seine Bilder harmonisch, fast träumerisch erscheinen. Am Abend traf sich die gesamte Gruppe zu einem gemeinsamen Abendessen. Es regnete Dankesreden sowohl von studentischer Seite, als auch von den Gasthörern. Und kleine Anerkennungen sollten dem Initiator der Exkursion, Herrn Dickel, den letzten Tag versüßen.

Vilnius, 27.7.2009

Am Morgen des letzten Tages unserer Exkursion bekamen wir eine Führung durch die Universität Vilnius. In der P. Smuglevičius Hall bewunderten wir ein Deckenfresko mit einer Madonna, die die jesuitischen Universitätsgründer schützend unter ihren Mantel nimmt. Im früheren Studierzimmer der Professoren begutachteten wir die Ausstellung zum Jahr der Astronomie. Vom Observatorium aus konnten wir den Turm besteigen und weit über Vilnius schauen Die Studentenkapelle der Universitätskirche St. Johannes beherbergt eine Ausstellung der Theologischen Fakultät mit dem ersten Buch, das in litauischer Sprache gedruckt wurde. Im Gebäude der Fakultät für Litaunistik sahen wir ein modernes Deckengemälde zum Thema der vier Jahreszeiten, das 1985 zum 400 jährigen Jubiläum der Universität von Petras Repšys angefertigt worden ist. In einem Vestibül der Fakultät für Philologie betrachteten wir ein Sgraffito-Bild stilisierter Musen bevor wir die Barnauskas Hall betraten, deren Wände – ebenfalls in Sgraffitotechnik – bedeutende Persönlichkeiten der Universität zeigen. Nach der Führung hörten wir ein ergänzendes studentisches Referat zur Universität, ihrer Bibliothek und zur Johanneskirche. Diese präsentierte sich uns als spätbarocker Umbau seines gotischen Vorgängerbaues. Nach Betrachtung des aus zehn Altären bestehenden, in Apsis und Chor einen Halbkreis bildenden Hauptaltars fand sich die Gruppe vor der wellenförmigen Westfassade der Johanneskirche zusammen, um diese gemeinsam zu beschreiben und die typisch barocken Bauelemente zu benennen. In den Skulpturen in der Giebelzone erkannten wir die Patrone Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten, den hl. Nepomuk und Franz Xaver, den Begründer des Jesuitenordens. Eine mit Stilelementen des Rokoko verzierte Kartusche zeigt das Symbol der Jesuiten: IHS (Iesum habemus Socium) Nach der Mittagspause fand sich die Gruppe vor der St. Peter und Paul Kirche außerhalb der historischen Altstadt von Vilnius ein. Die Bauleitung wurde 1668 unter dem polnischen Architekten Jan Zaor begonnen und 1671 von Giambattista Frediani übernommen. Bei der Kirche handelt es sich um eine dreischiffige Barockbasilika über dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes mit einer großen Vierungskuppel. In der Inschrift: „REGINA PACIS FUNDA NOS IN PACE“ an der Fassade hat sich der Stifter Mykolas Kazimieras Pacas in der Tradition barocker Zweideutigkeit geschickt verewigt. Beeindruckend ist das fast gänzlich in weiß gehaltene Kircheninnere mit seinem üppigen plastischen Schmuck. Dargestellt sind biblische, historische, mythische und allegorische Gestalten, Pflanzen, Tiere, Himmelskörper, liturgische und alltägliche Gegenstände.
Voller Eindrücke traten wir schließlich schweren Herzens die Heimreise an.

Hier finden Sie die Präsentation der Exkursion als PDF.