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Die rätselhafte Geschichte des „Namenlosen“ führt mitten hinein in unsere Ausstellung. Denn wie kam es, dass es bis 1934 an unserem Institut eine Sammlung moderner Kunst gab, die dann 90 Jahre lang in völlige Vergessenheit geriet?

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Reel und Caption von Christina Strunck auf Basis der von ihr kuratierten Ausstellungssektionen Erlangen als ein Zentrum der Moderne?/ Verfemte Moderne: Die „Schreckenskammer“ in der Orangerie/ Eine „braune“ Karriere: Alfred Stange/ Dornröschenschlaf: Die wiederentdeckte Sammlung

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Dürer kennst Du! Friedrich Haack kennst Du wahrscheinlich noch nicht. Aber seine Deutung hat das Bild von Dürer vor hundert Jahren stärker geprägt, als man denkt. Außerdem ebnete Haacks nationales Gedankengut den Weg in eine „völkische Kunstgeschichte“.

Heute setzt sich die FAU kritisch mit dieser Geschichte auseinander. Eine Ausstellung des Instituts für Kunstgeschichte zeigt, wie eng Wissenschaft und Politik im frühen 20. Jahrhundert miteinander verflochten waren – und wie wichtig es bleibt, historische Positionen transparent zu machen. 

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Reel und Caption von Marie Seefarth auf Basis der Ausstellungssektion Ein Künstler wird Nation: Das Dürer-Jahr 1928, die von Lisa Albinus und Christina Strunck kuratiert wurde

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Erlangen sollte deutschlandweit das erste Institut für völkische Kunstgeschichte bekommen – so lautete jedenfalls das erklärte Ziel von Prof. Alfred Stange, der den bisherigen Institutsleiter Friedrich Haack 1934 ablöste. Bis heute finden sich in der Institutsbibliothek Verweise auf Stanges Wirken. Bücher, die mit Stempeln der „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ versehen sind, wurden SozialdemokratInnen und KommunistInnen entzogen. Der Rektor lobte, Stange sei ein guter Wissenschaftler und ein guter Nationalsozialist!

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Reel und Caption von Daniel Altbregin auf Basis der Ausstellungssektion Eine „braune“ Karriere: Alfred Stange, die von Christina Strunck kuratiert wurde

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Eine Universität soll freies und kritisches Denken lehren. Doch inwieweit kannst Du Dich als Professor im Nationalsozialismus politisch äußern, ohne Deine Karriere oder sogar das eigene Leben in Gefahr zu bringen? Wie kannst Du es mit Dir selbst vereinbaren, als Beamter das Sprachrohr einer Diktatur zu sein, die von Dir erwartet, dass Du ihre Ideologien bedingungslos akzeptierst und sie den Studenten vermittelst?

In diesem Dilemma befindet sich Rudolf Kömstedt, als er 1936 zum Professor für Kunstgeschichte an der FAU berufen wird. Er steht vor der Aufgabe, den völkischen Schwerpunkt des Erlanger Instituts fortzusetzen. Gleichzeitig versucht er Propagandaveranstaltungen in der Orangerie zu limitieren.

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Reel und Caption von Lilly Richter auf Basis der Ausstellungssektion Zwischen Anpassung und Verweigerung: Rudolf Kömstedt, die von Becca Stepanov und Christina Strunck kuratiert wurde

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Die Nachkriegszeit war geprägt von Verdrängen und Vergessen. So gelang es vielen, trotz ihrer NS-Seilschaften unbeschadet davonzukommen und ihre Karrieren fortzusetzen. Karl Oettinger, Leiter des Erlanger Instituts für Kunstgeschichte von 1954 bis 1971, ist ein Beispiel für eine solche Karriere. Obwohl seine Unterstützung des NS schon damals kein Geheimnis war, konnte Oettinger Institutsleiter werden und später sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Oettinger arrangierte sich nicht nur mit der NSDAP, sondern auch mit dem Austrofaschismus: der klerikalfaschistischen Diktatur, welche in Österreich von 1933 bis zum „Anschluss“ an Deutschland 1938 herrschte. Bevor Oettinger in die NSDAP eintrat, war er Mitglied der Vaterländischen Front, der Partei des österreichischen Diktators Engelbert Dollfuß.

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Reel und Caption von Maximilian Opel auf Basis der Ausstellungssektion Kontinuitäten nach 1945: Karl Oettinger, die von Maximilian Opel und Christina Strunck kuratiert wurde

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Der Kunstverein Erlangen im Nationalsozialismus: ein düsteres und bislang kaum aufgearbeitetes Kapitel der über 120-jährigen Vereinsgeschichte. Insbesondere die personellen Kontinuitäten zwischen der NS-Zeit und der Vereins-Neugründung 1950 verdienen definitiv mehr Aufmerksamkeit!

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Reel und Caption von Ayça Kapici auf Basis der Ausstellungssektion Radikalisierung und Regimetreue: Kunstverein Erlangen, die von Johanna Kahle und Wolfgang Brauneis kuratiert wurde

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Möchtest Du täglich in einem Gebäude studieren, das von bekannten Persönlichkeiten aus der NS-Zeit gestaltet worden ist? Der Himbeerpalast in Erlangen ist bald Sitz der Philosophischen Fakultät der FAU Erlangen-Nürnberg. Gebaut und ausgestattet wurde er in der Nachkriegszeit von NS-nahen Künstlern. Ihre Bilder und Skulpturen werfen Fragen auf: sichtbar lassen, erklären – oder entfernen? Wie würdest Du denn damit umgehen?

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Reel und Caption von Evelyn Redl auf Basis der Ausstellungssektion Der Himbeerpalast: Künstlerische Kontinuitäten nach 1945, die von Andreas Räthe und Wolfgang Brauneis kuratiert wurde

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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Arbeiten nationalsozialistischer Künstler aus dem öffentlichen Raum verbannt? Falsch gedacht! Das Beispiel Erlangen macht deutlich: Werke aus der Zeit vor 1945 wurde nur in seltenen Fällen komplett abgetragen. Gängiger war es, sie zu bearbeiten. Hakenkreuze wurden entfernt. Kunstwerke ohne solche Erkennungszeichen blieben oft unverändert … und prägen bis heute das Stadtbild!

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Reel und Caption von Editha Bandmann auf Basis der Ausstellungssektion Entfernung und Erhalt: Kunst- und Denkmalpolitik nach 1945, die von Daniel Bucher, Andreas Räthe und Wolfgang Brauneis kuratiert wurde

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